14.11.2018 
Peter Thiels Geheimfirma aus dem Silicon Valley

Verwöhnte Mitarbeiter, absurde Bewertung - warum der Palantir-IPO schwierig wird

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Alex Karp, CEO von Palantir: Ärger mit "Bacongate"
AFP
Alex Karp, CEO von Palantir: Ärger mit "Bacongate"

Es ist wohl das geheimste Unternehmen im Silicon Valley - und es will an die Börse: Palantir, die Datenfirma des deutschstämmigen Milliardärs und Trump-Unterstützers Peter Thiel. Sie wurde bekannt, weil sie mit ihren Big-Data-Analysen dabei geholfen haben soll, Osama bin Laden aufzuspüren, und gilt als Spionagepartner von Militär und Regierung. Das will etwas wert sein: Investoren legten den Unternehmenswert 2015 bei stolzen 20 Milliarden US-Dollar fest.

Nun soll Morgan Stanley das übertrumpft haben. Die von Palantir beauftragte Investmentbank habe den Unternehmenswert bei einem potenziellen IPO im Jahr 2020 auf 36 bis 41 Milliarden US-Dollar geschätzt, berichtet das "Wall Street Journal". Diese fantastische Summe aber bei einer Road Show vor Investoren zu rechtfertigen, dürfte schwierig werden.

Denn nicht nur hat Palantir in seinem 14-jährigen Bestehen noch nie Profit erzielt. Auch die Kultur im Unternehmen mit den 2000 Angestellten, die im Schnitt 30 Jahre alt sind, soll laut "WSJ" problematisch sein.

Lunch-Menüs mit Hummer und Sashimi - und Suche nach dem Speck

Demnach sollen Mitarbeiter der defizitären Firma luxuriöse Benefits gewöhnt sein, etwa dreizehngängige Lunch-Menüs mit Hummer und Sashimi. Im letzten Moment noch Business-Class-Flüge zu buchen, sei ebenfalls üblich gewesen. Als Speck vom Frühstücksbuffet gestrichen wurde, gab es firmenweit Protest, intern bekannt als "Bacongate". CEO Alexander Karp (51) versucht sich jetzt daran, das Ruder herumzureißen: Er hat sich laut dem Bericht von Büroflächen getrennt, einiges Erlesenes beschnitten und zwei Leute entlassen, die teure Anzüge und Unterwäsche auf Firmenkosten gekauft haben.

"Wir waren Kinder in Shorts und T-Shirt"

Bei Treffen mit Firmenkunden in Washington soll Karp, der auch Aufsichtsrat beim Axel-Spinger-Verlag ist, zudem versucht haben, das Image seiner Big-Data-Firma aufzupolieren. Seine Mitarbeiter gelten als zu selbstbewusst, herablassend und nachlässig. "Wir waren Kinder, die in Shorts und T-Shirts auftauchten", soll Karp gesagt haben, "und wir haben erkannt, dass das unserer Glaubwürdigkeit geschadet hat."

Doch kann der CEO die Professionalisierung seines gealterten Start-ups schaffen? Problematisch ist, dass er sich bereits in der Vergangenheit nicht entscheiden konnte, ob er Profit priorisieren oder Palantir ganz groß machen sollte. Gegenüber dem "Journal" gab Alex Karp nun an, 2019 die Gewinnschwelle erreichen zu wollen.

Zuletzt hat das Unternehmen aus dem kalifornischen Palo Alto aber seine Verkaufsziele verfehlt. Der Umsatz lag 2017 bei rund 600 Millionen US-Dollar, in diesem Jahr soll er mehr als 750 Millionen und 2019 rund eine Milliarde Dollar betragen.


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Die Unternehmensbewertung, die Morgan Stanley prognostiziert haben soll, wäre damit knapp 55 Mal so hoch wie der Umsatz dieses Jahres. Selbst für die Tech-Branche, die hohe Bewertungen gewöhnt ist (oft das Zehn- bis 15-Fache des Umsatzes), ist das kaum erklärbar. Und: Peter Thiel, größter Gesellschafter von Palantir, soll zuletzt Anteile für einen deutlich niedrigeren Preis als 2015 verkauft haben, als die Unternehmensbewertung 20 Milliarden Dollar betrug.

Derweil werden die Investoren ungeduldig. Sie wollen, dass Karp endlich an die Börse geht, damit sie ihre Anteile leichter zu Geld machen können, zitiert die Zeitung einen Gesellschafter. Der CEO sprach schon vor zwei Jahren davon, bereit für den IPO zu sein.

Um sich solider aufzustellen, versucht Karp laut "WSJ" nun, vermehrt Unternehmenskunden zu gewinnen. Das soll auch dabei helfen, das Image als Spionageunternehmen loszuwerden. Während Palatir zunächst Software vor allem an Regierungsdienste verkaufte, sollen in Zukunft 70 Prozent des Gewinns von Konzernen kommen. Nachdem Karp vor drei Jahren Millionenverträge mit wichtigen Unternehmensklienten verloren hatte, konnte er nun mit Palantirs neuer Big-Data-Analyse-Software andere Konzerne überzeugen: "Foundry" soll leichter einzusetzen sein, auch müssen Palantir-Entwickler das Programm nicht mehr wie zuvor auf jeden Kunden zuschneiden.

Ob sich diese ersten Erfolge fortschreiben lassen, muss Karp nun beweisen. Peter Thiel zumindest sagte zum "WSJ", er glaube an die Firma. "Du gehst unter Wasser", so der Milliardär, "und das Wichtige ist, irgendwann wieder an die Luft zu kommen."

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