03.08.2018 
Zittern in Eisenach und Rüsselsheim

Opel vor Produktionskürzung - Werke nicht ausgelastet

Carlos Tavares, Vorstandsvorsitzender von PSA Peugeot Citroën
DPA
Carlos Tavares, Vorstandsvorsitzender von PSA Peugeot Citroën

Beim Autobauer Opel drohen kräftigte Produktionskürzungen. In Rüsselsheim solle die Taktzahl nach den Sommerferien von 55 auf 42 Fahrzeuge pro Stunde sinken und im Werk Eisenach von 37 auf 30, berichtete die "Mainzer Allgemeine Zeitung" unter Berufung auf Unternehmenskreise. Am Standort im polnischen Gliwice (Gleiwitz) sei die Kürzung bereits vollzogen. Dort liefen etwa 25 statt zuvor 40 Autos pro Stunde vom Band.

In der Belegschaft wachse nun die Sorge, dass die Opel-Werke dauerhaft herunter gefahren würden, heißt es weiter. Bei nicht ausgelasteten Fabriken würde die Produktivität sinken und die Wettbewerbsfähigkeit der Opel-Standorte im Verbund der französischen Konzernmutter PSA Peugeot Citroën geschwächt.

Ein Opel-Sprecher sagte, das Unternehmen passe die Produktionsplanung in den Werken "selbstverständlich regelmäßig an". Zu Details äußere man sich nicht.

Seit der Übernahme vor einem Jahr trimmt PSA-Chef Carlos Tavares Opel auf Rendite. Er hatte Investitionen in Werke von deren Wettbewerbsfähigkeit abhängig gemacht und den Arbeitnehmern Zugeständnisse abgetrotzt. Mit ihnen hatte sich Tavares auf eine Beschäftigungssicherung bis 2023 geeinigt.

Opel hatte im ersten Halbjahr nach Kostenkürzungen überraschend erstmals seit langem wieder Gewinn erzielt. Zuletzt bestätigte Tavares indes, dass man nach Dienstleistern für das Entwicklungszentrum Rüsselsheim suche. Das sorgte für neuen Unmut.

Vor einem Jahr hatte der französische Autobauer die deutsche Traditionsmarke übernommen. Die damaligen Ansagen von PSA-Chef Tavares waren deutlich: "Es kann nicht länger dasselbe gemacht werden wie bisher, weil die Ergebnisse nicht gut sind".

Trotz des jüngsten Gewinns besteht weiter Grund zur Sorge: Opels Marktanteil in Europa ist zuletzt gesunken.

Die meiste Technik der ersten gemeinschaftlichen Modelle sowie für den geplanten neuen Corsa stammt von PSA. Opel gibt den Autos beispielsweise mit Fahrwerksabstimmung und Design-Elementen ein eigenes Finish. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer findet aber: Opel drohe zur PSA-Designhülle zu werden.

Ein Eindruck, den Opel-Chef Michael Lohscheller mit aller Macht zu zerstreuen versucht: "Opel wird noch deutscher, als es jemals der Fall war", versprach er in mehreren Interviews.

dpa/kyr

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