16.07.2018  Bike Sharing

Leihrad-Anbieter Ofo gibt in Deutschland auf

Die gelben Ofo-Räder sind hier in Peking zu sehen.
dpa
Die gelben Ofo-Räder sind hier in Peking zu sehen.

Der chinesische Leihradanbieter Ofo zieht sich aus dem deutschen Markt zurück. Den einzigen Standort Berlin wolle man "in den kommenden Wochen verantwortungsvoll verlassen", heißt es. Die Räder würden von den Straßen entfernt und in andere europäische Städte gebracht werden.

Das Geschäft scheint nicht schnell genug gezündet zu haben: Nur rund drei Monate lang testete Ofo seine Aktivitäten in der deutschen Hauptstadt. "Es handelt sich um eine strategische Entscheidung, welche auf der jeweiligen Marktleistung basiert", bestätigte eine Unternehmenssprecherin gegenüber der dpa. Eine Rückkehr nach Deutschland schließt Ofo dennoch nicht aus.

Ursprünglich wollte das Start-up in Deutschland mächtig aufrüsten. 10.000 seiner gelb-schwarzen Fahrräder plante Ofo, in Berlin zu verleihen, wie aus einer parlamentarischen Anfrage am Jahresanfang hervorging. Zuletzt waren es nach Firmenangaben rund 3000 Räder.

Milliardenschwere Investitionen in die chinesischen Anbieter befeuern deren Ausweitung nach Europa. In Ofo haben beispielsweise Alibaba und Facebook-Investor DST Global in den vergangenen zwei Jahren mehr als 2,2 Milliarden Dollar gepumpt. Der Anbieter Mobike wird von dem chinesischen Internetkonzern und WeChat-Betreiber Tencent unterstützt und hat ebenfalls mehr als 900 Millionen Dollar an Kapital erhalten.

Die Start-ups verlieren Milliarden

Dabei verbrennen die Bike-Sharing-Anbieter in ihrer Expansionswut weiterhin Milliarden. Allein Mobike, das in Deutschland in Berlin, Köln und Düsseldorf aktiv ist, soll vor seiner Übernahme durch den chinesischen Internetkonzern Meituan-Dianping im April etwa 700 Millionen Dollar Schulden angehäuft haben.

Die Hoffnung der Investoren ist dennoch groß: Sie sehen Bike-Sharing als nächsten Trend, der Uber und Co. auf kurzen Strecken Anteile abgreift, wie das manager magazin in seiner aktuellen Ausgabe analysierte.

Erste Opfer des Hypes gab es mittlerweile: Der Anbieter Obike, der in München für Ärger sorgte, als er über Nacht in Guerilla-Manier 7000 Räder in der Stadt verteilte, hat in Singapur Insolvenz angemeldet. Im November war Bluegogo, ein Anbieter mit mehr als 20 Millionen registrierten Nutzern und einer 600.000 Stück zählenden Fahrradflotte, in die Insolvenz gerutscht.

Die chinesischen Start-ups, die die deutschen Städte fluten, machen den traditionellen Anbietern hier Konkurrenz. Lange hatten sich in den Städten hierzulande Nextbike und DB Connect den Leihradmarkt aufgeteilt - häufig unterstützt mit öffentlichen Geldern.

Das Problem mit dem Free-Float-Modell

Im Gegensatz zu deren Angebot wollen die chinesischen Unternehmen ihr Angebot komfortabler machen. Sie betreiben ihre Räder in einem sogenannten Free-Float-Modell. Dabei können die Fahrräder überall abgestellt und angemietet werden und müssen nicht an bestimmte Stationen zurückgebracht werden.

"Um einen solchen Sharingdienst anzubieten, muss man erst eine große Menge an Bikes auf den Markt bringen", sagt Mobilitätsexperte Andreas Nienhaus von Oliver Wyman. Nur so sei sichergestellt, dass auch immer und überall ein Fahrrad zur Verfügung stehe.

Das Problem: Wenn ein Dienst seine Räder vernachlässigt und diese Gehwege und Einfahrten versperren, löst das Unmut aus. "Die Menschen gehen dann dazu über, die Räder gezielt zu beschädigen", weiß Nienhaus. Bei manchen Anbietern sollen angeblich bis zu 90 Prozent ihrer Flotte betroffen gewesen sein. Obike erging es in München nach dem Start ähnlich. Zuletzt beklagten sich zudem mehrere Städte über Probleme mit dem Anbieter - vor allem weil sie dort niemanden mehr erreichten, die Räder aber vielerorts im Weg stünden und Ziel von Vandalismus seien.

kyr/dpa

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