05.09.2018 
IoT-Spezialist aufgekauft

Munich Re zahlt für Berliner Start-up 300 Millionen Dollar

Von
Das Logo der Rückversicherung in München
DPA
Das Logo der Rückversicherung in München

Der Versicherungsriese Munich Re übernimmt das Berliner Start-up Relayr. Für das fünf Jahre alte Unternehmen zahlt der weltgrößte Rückversicherer 300 Millionen US-Dollar, teilte Munich Re am Dienstag mit. Man erhofft sich, so sein technologisches Wissen zu vergrößern - vor allem im "Internet der Dinge" (IoT), also der Vernetzung von Gegenständen.

Relayr entwickelt seit 2013 gerade im industriellen Bereich verschiedene Lösungen. Damit soll es Unternehmenskunden zum Beispiel gelingen, Daten unterschiedlicher Fertigungsmaschinen in der Relayr-Cloud zu sammeln, zu verwalten und zu analysieren, um den Produktionsprozess zu verbessern und Vorhersagen treffen zu können.

Gleiches soll mit smarten Geräten im Haushalt funktionieren. Durch die Auswertung von Nutzungsdaten der Waschmaschine, Musikanlage oder Kaffeemaschine soll es Herstellern möglich sein, neue Erkenntnisse zu gewinnen - zum Beispiel, wo es technische Schwierigkeiten gibt. Auch könnten anhand der Daten neue Angebote für Kunden entwickelt werden.

Für die Munich Re ist das interessant, da ihr Versicherungsgeschäft von der Sammlung großer Datenmengen und ihrer Risikoanalyse abhängt. Auf dem Feld IoT sind neue Möglichkeiten entstanden, genau das zu tun. Torsten Jeworrek, Mitglied des Vorstands, findet gar: "Das Internet der Dinge hat das Potenzial, die traditionelle Erst- und Rückversicherung grundlegend zu verändern."

Der Konzern will auch industrielle und gewerbliche IoT-Lösungen für seine Kunden entwickeln. Dabei soll Relayr helfen, sagt Greg Barats, Präsident und CEO der Munich-Re-Gesellschaft HSB, bei der das Start-up angesiedelt sein wird. Er hofft, außerdem neue Finanzdienstleistungen verkaufen zu können.

So arbeiten Relayr und Munich Re beispielsweise seit Längerem an einer Absicherung für die Unternehmenskunden. Wie Start-up-Chef Josef Brunner erklärt, verspreche man beispielsweise, den Anteil der Betriebszeit einer Anlage ohne Ausfälle um einen bestimmten Prozentsatz zu erhöhen. Das Ganze hinterlege man dann mit einer Garantie.

Das Start-up, das nach eigenen Angaben 200 Mitarbeiter beschäftigt, soll eigenständig bleiben. Von renommierten Investoren erhielt das Berliner Unternehmen in der Vergangenheit knapp 67 Millionen US-Dollar. Beteiligt hatten sich der US-amerikanische Technologie-Fonds Kleiner Perkins und auch die Telekom.

Mehr zum Thema