27.03.2018 
Facebook-Chef schaltet Anzeigen in deutschen Zeitungen

Mark Zuckerberg entschuldigt sich - mit Krakel-Kürzel

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FB-Chef Mark Zuckerberg: "Als sei er nicht mit sich im Reinen"
REUTERS
FB-Chef Mark Zuckerberg: "Als sei er nicht mit sich im Reinen"

In ganzseitigen Anzeigen hat sich Facebook -Chef Mark Zuckerberg bei den Facebook-Nutzern für die Weitergabe ihrer Daten entschuldigt. Der Brief erschien zunächst in mehreren britischen Zeitungen, am Dienstag nun auch unter anderem in der "Süddeutschen Zeitung" und der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Du hast vermutlich gehört, dass die Quiz-App eines Wissenschaftlers im Jahr 2014 unerlaubt die Facebook-Daten von Millionen von Menschen weitergegeben hat", heißt es in der Anzeige. "Das war ein Vertrauensbruch, und ich möchte mich dafür entschuldigen, dass wir damals nicht mehr dagegen getan haben."

Facebook unternehme nun die "notwendigen Schritte" um sicherzustellen, dass so etwas nicht noch einmal passiere, heißt es in der gewohnt wolkigen, unkonkreten Stellungnahme des Datensammlers aus den USA.

Vor rund einer Woche war bekanntgeworden, dass sich die britische Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica unerlaubt Zugang zu Daten von Millionen Facebook-Profilen verschafft hat. Mit Hilfe dieser Daten sollen Wähler im US-Präsidentschaftswahlkampf zugunsten von Donald Trump gezielt mit unerlaubter Wahlwerbung beeinflusst worden sein; auch bei der britischen Entscheidung zum Brexit soll das Datenmaterial eine Rolle gespielt haben. Zuckerbergs Anzeige geht allerdings auf beide Aspekte nicht ein, auch der Name der Firma wird nicht genannt, die Rede ist nur von "der Quiz-App eines Wissenschaftlers".

Zuckerbergs kryptische Unterschrift
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Zuckerbergs kryptische Unterschrift

Unterzeichnet ist die Anzeige mit einem Namenskürzel in Zuckerbergs Handschrift. Auf Anfrage von manager-magazin.de hat Handschrift-Coach Susanne Dorendorff (die bereits vor einigen Jahren die Unterschriften etlicher CEOs analysiert hat) die etwas kryptisch wirkende Unterschrift unter die Lupe genommen. "Die wirkt wie eine Häkelanleitung", wundert sich die Expertin, "ich bin richtig etwas erschrocken." Denn: "Wer nur mit einem unleserlichen Kürzel unterzeichnet, wirkt, als sei er mit sich nicht im Reinen und habe etwas zu verbergen." Wer seiner Persönlichkeit Nachdruck verleihen wolle, müsse begreifen, wie wichtig es sei, dabei auch die Unterschrift mit einzubeziehen. Andererseits passe die legere Unterschrift aber zum saloppen Auftritt des Facebooks-Chefs, der selten anders als im grauen T-Shirt auftritt.

Erst im Januar hatte Zuckerberg auf seiner eigenen Facebook-Seite verkündet, seine diesjährige "personal challenge" sei es, das Netzwerk vor Missbrauch und Hassbotschaften zu schützen. "Wir werden nicht alle Fehler oder Missbrauch verhindern können, aber derzeit machen wir zu viele Fehler, wenn es darum geht, unsere Regeln umzusetzen und den Missbrauch unserer Plattform zu verhindern." Das Misstrauen gegenüber Facebook ist in den vergangenen Monaten stark gewachsen - nicht erst durch den Missbrauch privater Daten durch die "Quiz-App eines Wissenschaftlers", wie Zuckerberg es nennt.

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