18.01.2019 
Delivery-Hero-Investor Lukasz Gadowski macht in E-Scooter

Der Pate von Berlins neuem Hype-Start-up

Von
Lukasz Gadowski
flash
Lukasz Gadowski

Amerikanische E-Scooter-Start-ups haben schon hunderte Millionen Dollar von Investoren eingesammelt. Jetzt gewinnt der Hype auch in der deutschen Start-up-Szene an Geschwindigkeit: Das junge Unternehmen Flash bekommt 55 Millionen Euro von Investoren, wie das Start-up am Freitag bekannt gab. Dabei verleihen die Berliner noch gar keine Tretroller: Bisher gab es laut "Financial Times" lediglich zwei Tests. Trotzdem arbeiten schon 60 Mitarbeiter für die Firma.

Hinter dem Unternehmen steht einer der großen Namen der deutschen Start-up-Szene: Lukasz Gadowski (41). Der Gründer und Investor hat in der Vergangenheit bereits mehrfach ein Gespür für ertragreiche Deals bewiesen. So soll er allein bei dem Börsengang des Lieferdienstvermittlers Delivery Hero 45 Millionen Euro verdient haben, wie das Branchenmedium "Gründerszene" schätzte.

Delivery Hero war nicht die erste Unternehmung des in Polen geborenen Unternehmers. Schon während des Studiums und kurz nach dem Platzen der Dotcom-Blase startete er in Leipzig eine Website, auf der Kunden T-Shirts selbst gestalten können. Spreadshirt gibt es noch heute: Die Firma setzte 2017 rund 107 Millionen Euro um, knapp 15 Prozent mehr als im Vorjahr.

Gadowski wurde 2005 einer der ersten Investoren von StudiVZ - dem deutschen Facebook-Klon. Zwei Jahre später unterstützte er den Shopping-Club Brands4friends finanziell. Beide Firmen sind heute in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Doch auf der Höhe ihrer Hypes dürften sie ihren ersten Investoren viel Cash gebracht haben: 2007 kaufte der Holtzbrinck-Verlag das soziale Netzwerk StudiVZ für geschätzte 85 Millionen Euro. Brands4friends wurde 2010 von Ebay für 150 Millionen Euro übernommen.

Zu den jüngeren Investments Gadowskis zählen Lemoncat, das Business-Catering-Unternehmen der Gründerin Doreen Huber, und eine App für Gastronomen namens Choco. Auch in sein E-Scooter-Unternehmen Flash hat der Unternehmer eigenes Geld gesteckt.

Bremse für den Hype

Gadowski will dabei nicht nur auf elektrische Tretroller setzen, wie er gegenüber "Gründerszene" sagte, sondern weitere Fahrzeuge für kurze Strecken entwickeln. E-Scooter wurden 2018 in den USA massiv gehypt: Die Anbieter Bird und Lime bekamen Hunderte Millionen Dollar Wachstumskapital, wurden mit Milliarden bewertet und expandierten aggressiv, auch nach Europa.

In Deutschland erhielt erst Ende Oktober der Wettbewerber Tier Mobility 25 Millionen Euro für sein Vorhaben, E-Tretroller zu verleihen. Und das schwedische Unternehmen Voi verbuchte im November eine Investition über 50 Millionen US-Dollar.

Zuletzt kamen allerdings immer mehr Zweifel an der Rentabilität des Geschäfts auf - selbst auf Investorenseite. Die Roller müssen sich einige Zeit halten, damit ihr Kaufpreis erwirtschaftet und darüber hinaus ein Gewinn erzielt wird. Vandalismus und Diebstähle sind allerdings ein Problem. Außerdem sind viele der Roller nicht so stabil wie gedacht und gehen schnell kaputt.

Gadowski will allerdings besonders robuste Gefährte auf die Straße bringen. Ob das den entscheidenden Wettbewerbsvorteil bringen kann?

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