14.06.2018 
Käufer für Blackstone-Anteil gesucht

Leica soll zurück an die Börse

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Andreas Kaufmann: Der österreichische Entrepreneur will Leica zurück an die Börse bringen - und sucht einen Käufer für den Blackstone-Anteil
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Andreas Kaufmann: Der österreichische Entrepreneur will Leica zurück an die Börse bringen - und sucht einen Käufer für den Blackstone-Anteil

Andreas Kaufmann (64) lächelt gelegentlich aufreizend selbstzufrieden, wenn auch nicht ohne Grund. Der ehemalige Waldorfschullehrer steckte fast sein gesamtes Vermögen in die Kultmarke Leica und machte aus dem fast insolventen Kamerahersteller ein wachstumsstarkes, profitables Unternehmen (siehe Grafik unten).

2011 verbündete sich Kaufmann mit dem US-Private-Equity-Haus Blackstone; die Partner nahmen Leica von der Börse. 45 Prozent der Anteile liegen seither bei den Amerikanern, den Rest hält Kaufmann. Nun sucht der österreichische Entrepreneur einen Käufer für den Blackstone-Block und will anschließend zurück aufs Parkett.

Leica: Aufwärtstrend
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Leica: Aufwärtstrend

Den Anstoß dafür gab der ehemalige Blackstone-Deutschland-Chef Axel Herberg (60), der den Leica-Deal eingefädelt hatte und bis heute Blackstone berät. Er teilte Kaufmann im Frühsommer 2017 mit, dass er bei Leica aussteigen wolle. Ein Wunsch, der einem Befehl sehr nahe kommt, denn Kaufmann hatte sich vertraglich verpflichtet, einen Exit zu unterstützen - andernfalls hätte auch er seine Anteile verkaufen müssen, was er auf keinen Fall will.

Aber auf einen neuen Investor hatte er keine rechte Lust; es war doch gut gelaufen mit den Blackstone-Leuten, die sich praktisch komplett raushielten. Daher - so heißt es in Branchenkreisen - tat Kaufmann erst mal gar nichts. Wollten sich Interessenten mit ihm treffen, hatte er stets Besseres zu tun - keine gute Basis für eine künftige Beziehung. Der Verkaufsprozess, mit dem Herberg und der aktuell zuständige Blackstone-Manager Robert Ramsauer (38) die US-Bank Morgan Stanley beauftragt hatten, scheiterte. Morgan Stanley gab das Mandat zurück.

Nun gibt Kaufmann den Weg vor. Seit mehreren Monaten sucht er einen Investor, der Blackstone herauskaufen soll. Mit fünf Interessenten soll er aktuell im Gespräch sein. Er hofft, dass "bis Ende des Sommers eine Lösung gefunden ist".

Das wird nicht leicht. Denn der Käufer soll für 45 Prozent der Anteile rund 450 Millionen Euro bezahlen, dreimal so viel wie Blackstone berappt hatte; nach Meinung von Branchenkennern ein abenteuerlicher Preis. Der künftige Miteigner soll aber nicht nur die Taschen weit öffnen, er soll dann in ein, zwei Jahren auch noch das Risiko eines Börsengangs mittragen.

Immerhin hat Kaufmann einen Plan B. Findet sich kein Käufer, will er noch in diesem, spätestens nächstes Jahr einen IPO versuchen. Veräußert werden soll nur das Blackstone-Paket, der Unternehmer will seine Papiere behalten. Allerdings will er eine Kapitalerhöhung durchziehen, sodass sein Anteil sinkt.

Mit dem frischen Geld will er die Wetzlarer Firma diversifizieren. Unter anderem kommt eine Leica-Uhr auf den Markt. Kaufmann nimmt den Prototypen vom Handgelenk und zeigt die verglaste Rückseite. "Eine präzise Feinmechanik, das ist eine unserer Kernkompetenzen." Sagt's und lehnt sich wieder entspannt zurück.

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