16.02.2018 
Infineon vor turbulenter Hauptversammlung

Aktionäre opponieren gegen künftigen Chefaufseher Eder

Von , München
Wolfgang Eder: Der Voestalpine-Chef soll Chefaufseher bei Infineon werden. Doch dagegen regt sich Widerstand
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Wolfgang Eder: Der Voestalpine-Chef soll Chefaufseher bei Infineon werden. Doch dagegen regt sich Widerstand

Dem erfolgsverwöhnten Chiphersteller Infineon steht Ärger ins Haus. Die unorthodoxe Nachfolgeregelung, die der Münchener Dax-Konzern für seinen scheidenden Aufsichtsratschef Wolfgang Mayrhuber (70) eingefädelt hat, wird auf der Hauptversammlung am Donnerstag (22.2.) für jede Menge Kritik und Gegenstimmen von Aktionären sorgen.

Laut Unterlagen, die manager magazin vorliegen, hat der einflussreiche Stimmrechtsberater Ivox Glass Lewis seinen Investorenkunden empfohlen, die Wahl von Voestalpine-Chef Wolfgang Eder (66) in den Aufsichtsrat abzulehnen. Eder habe bereits zu viele Mandate. Damit opponiert Ivox Glass Lewis indirekt gegen Infineons Pläne, wonach Eder im Kontrollgremium "mittelfristig" den Chefposten übernehmen soll; bis dahin soll der langjährige Infineon-Aufsichtsrat Eckart Sünner (73) den Vorsitz interimistisch ausüben.

Auch die drittgrößte deutsche Fondsgesellschaft Union Investment stellt sich gegen Eders Wahl, wie Union-Fondsmanager Ingo Speich gegenüber manager magazin sagte. "Herrn Eder mangelt es an Branchenexpertise", so Speich. "Er kommt daher für den Aufsichtsratsvorsitz nicht in Frage, selbst wenn er den Vorstandsvorsitz bei Voestalpine niederlegt."

Aktionäre bringen Ex-Infineon-Chef Peter Bauer als Chefaufseher ins Spiel

Stattdessen bringt Speich Ex-Infineon-Chef Peter Bauer (57) ins Spiel, da dieser dem Gremium bereits angehört und in der Halbleiterbranche zuhause ist. "Herr Bauer wäre ein geeigneter Kandidat." Union Investment hält laut Bloomberg 0,96 Prozent an Infineon.

Dass sich Ivox Glass Lewis und Union Investment genug Aktionäre anschließen, um die Wahl Eders (der wie Mayrhuber Österreicher ist) zu kippen, ist eher unwahrscheinlich. Denn der wichtigste Stimmrechtsberater Institutional Shareholder Services (ISS), dem die meisten Fonds folgen, empfiehlt in seinem Report die Zustimmung zu dem Wahlvorschlag.

Selbst ISS meldet Zweifel an

Doch äußert auch ISS - ungewöhnlich genug - ernsthafte Zweifel und droht vorsorglich für kommende Hauptversammlungen bereits mit Nichtentlastung. Man verlasse sich auf Infineons explizite Aussage, "dass Wolfgang Eder nicht der neue Aufsichtsratschef wird", begründet ISS die Ja-Empfehlung in ihrem Report, der manager-magazin.de vorliegt. Sollte Infineon davon - auch in Zukunft - abweichen, würde ISS "ernsthaft erwägen, bei einer künftigen Hauptversammlung zu empfehlen, den Aufsichtsrat nicht zu entlasten".

Zum Hintergrund: Nach den Richtlinien von ISS und den meisten anderen institutionellen Anlegern werden Manager, die einen CEO-Job und einen Aufsichtsratsvorsitz bei unterschiedlichen Firmen ausüben, automatisch als 'overboarded' klassifiziert. Will heißen: Die Person hat zu viele Mandate und ist nicht wählbar, da sie nicht die nötige Zeit für den Chefkontrolleursjob aufbringt.

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