01.02.2019 
400-Millionen-Finanzierung für das US-Start-up Lime

Google investiert Millionen in umstrittenen E-Scooter-Hype

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Ein Mann steht auf einem Lime-Elektroroller in Wien
Herbert Neubauer/APA/dpa
Ein Mann steht auf einem Lime-Elektroroller in Wien

Das kalifornische E-Scooter-Start-up Lime erhält 400 Millionen US-Dollar. Maßgeblich soll sich Bestandsinvestor Google wieder an der Finanzierung beteiligen, berichtet die US-Zeitung "Wall Street Journal" (WSJ). Die Bewertung des Anbieters, der per App elektrische Tretroller verleiht, liegt demnach bei zwei Milliarden Dollar.

Eine hohe Marke für ein Start-up, das erst vor anderthalb Jahren gegründet wurde. Allerdings soll CEO Toby Sun ursprünglich eine Unternehmensbewertung von vier Milliarden Dollar angestrebt haben. So zeigt die aktuelle Investition zwar, dass namhafte Geldgeber weiter Potenzial in dem Markt sehen. Doch der Dämpfer bei der Bewertung beweist, dass Investoren vorsichtiger geworden sind.

So konnte auch Limes schärfster Wettbewerber Bird aus Santa Monica bei seiner 300-Millionen-Dollar-Finanzierung vor Kurzem die Unternehmensbewertung nicht steigern. Sie liegt wie vergangenen Sommer bei zwei Milliarden Dollar. Die Geldgeber in der Branche sollen von der Höhe der Verluste bei den Start-ups überrascht gewesen sein. Zudem seien Probleme mit Vandalismus und Diebstahl der Roller schlimmer als gedacht, berichtete das "WSJ".

Wie attraktiv ist das Business wirklich?

Eine Schwierigkeit des Geschäfts ist die Profitabilität. Zunächst ist der Service für Kunden nur attraktiv, wenn zahlreiche Roller in ihrer Umgebung zu finden sind. Das heißt, die jungen Unternehmen müssen viel Geld ausgeben, um für gute Verfügbarkeit zu sorgen. Ein Roller kostet zwischen 400 und 500 Dollar.

Wie schnell sich ein Roller rechnet, ist umstritten. Der Anbieter Bird rechnet vor, seine E-Scooter würden im Schnitt fünf Mal täglich für je 18 Minuten ausgeliehen. Damit erziele man einen Umsatz von 3,65 Dollar pro Kunde, wovon 70 Cent Gewinn blieben.

Andere Erfahrungswerte suggerieren aber, dass diese Zahlen nicht dauerhaft erreichbar sein könnten. Lime verlangt ebenso wie Bird pauschal einen Dollar pro Verleih plus 15 Cent Gebühr pro Minute. Lime aber gab in der Vergangenheit an, dass die durchschnittliche Nutzungsdauer eines Rollers bei zwölf bis 15 Minuten liege. Bei dem unteren Wert bleibt demnach gar kein Gewinn übrig.

Video: So funktionieren die E-Scooter

Laut der US-amerikanischen Stadt Charlotte wurden dort im Dezember Roller durchschnittlich auch nur ein bis drei Mal täglich ausgeliehen. So würde es länger als erwartet dauern, bis die Kosten für ein Gefährt wieder erwirtschaftet werden können.

Neben der wirtschaftlichen Frage können auch Sicherheitsprobleme und die Regulierung in Städten unvorhergesehene Hindernisse bringen. Dennoch versuchen neben Bird und Lime zwei deutsche Unternehmen - Tier Mobility und Flash - Fuß am Markt zu fassen. Sie sind allerdings deutlich später als die US-Vorbilder gestartet und mit viel weniger Kapital ausgestattet.

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