10.10.2018 
Wegen Dominanz von Android-Betriebssystem

Google will Milliardenstrafe vor Gericht kippen

Das Android-Maskottchen kommt recht freundlich daher: Tatsächlich dominiert Betriebssystem weltweit acht von zehn Smartphones. Die EU-Kommission will diese Dominanz einschränken
REUTERS
Das Android-Maskottchen kommt recht freundlich daher: Tatsächlich dominiert Betriebssystem weltweit acht von zehn Smartphones. Die EU-Kommission will diese Dominanz einschränken

Google legt Einspruch gegen die von der Europäischen Kommission gegen den Internetriesen verhängte Milliarden-Kartellstrafe ein. Der Rechtsstreit könnte sich über Jahre hinziehen.

Google will die über vier Milliarden Euro schwere Wettbewerbsstrafe im Zusammenhang mit dem Smartphone-Betriebssystem Android wie angekündigt vor Gericht kippen. Der Internet-Konzern reichte seinen Einspruch am Dienstag ein, einen Tag vor Ablauf der Widerspruchsfrist. Zur Begründung seines Einspruchs verwies Google auf die Aussage von Konzernchef Sundar Pichau, Android habe mehr Auswahl für die Nutzer geschaffen, nicht weniger.

Die EU-Kommission hatte Google Mitte Juli nicht nur eine Rekord-Wettbewerbsstrafe von 4,34 Milliarden Dollar auferlegt, sondern auch tiefgreifende Änderungen am Android-Geschäftsmodell gefordert.

Die Brüsseler Behörde wirft Google den Missbrauch seiner Marktdominanz bei Smartphone-Betriebssystemen vor. Google stellt Android kostenlos zur Verfügung. Damit ist die Software mit Abstand Marktführer und läuft weltweit auf acht von zehn Mobiltelefonen. Auf Platz zwei liegt Apples iOS.


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Die Kommission stört sich unter anderem daran, dass Hersteller von Android-Smartphones, die Google-Dienste einbinden wollen, immer ein komplettes Paket aus elf Apps des Internet-Konzerns auf die Geräte bringen müssen. So kommen zum Beispiel auch Googles Webbrowser Chrome und die Google-Suche immer auf die Geräte, selbst wenn ein Hersteller zum Beispiel nur die App-Plattform Play Store installieren will.

Aus Sicht von EU-Kommissarin Vestager sichert Google damit die Vorherrschaft seiner Suchmaschine auf den Smartphones zum Nachteil des Wettbewerbs. Außerdem kritisiert die Brüsseler Behörde die sogenannte Anti-Fragmentierungs-Vereinbarung, gemäß der Anbieter von Geräten mit Google-Diensten nicht gleichzeitig auch Smartphones mit stark abgewandelten Android-Versionen verkaufen können.

Der komplexe Rechtsstreit kann sich über Jahre hinziehen, bevor es zu einem Urteil kommt. Ein letzter Einspruch kann noch beim Obersten Gericht, dem Europäischen Gerichtshof eingelegt werden.

rei/dpa/Reuters

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