09.10.2018 
Alphabet schließt Netzwerk nach Datenpanne

Google Plus macht dicht

Jetzt also auch Google: Nach Facebook hat nun der nächste Datenriese eine Datenpanne - und verschwieg sie
REUTERS
Jetzt also auch Google: Nach Facebook hat nun der nächste Datenriese eine Datenpanne - und verschwieg sie

Jahrelang hatten App-Entwickler durch eine Softwarepanne bei Google+ unberechtigten Zugang zu privaten Nutzerdaten. Google schloss die Lücke, verschwieg aber die Panne - wohl aus Sorge um einem Vergleich mit dem Facebook-Skandal um Cambridge Analytica. Jetzt schließt die Google-Mutter Alphabet das soziale Netzwerk für Verbraucher.

Rund ein halbes Jahr nach dem Datenskandal bei Facebook macht auch die Google-Mutter Alphabet eine große Sicherheitslücke öffentlich. Von dem Datenleck beim sozialen Netzwerk Google+ seien bis zu 500.000 Nutzerkonten betroffen gewesen, teilte der Konzern am Montagabend mit. Externe Entwickler hätten Zugriff auf private Profildaten gehabt.

Alphabet nimmt den Vorfall nun zum Anlass, die Plattform Google (Plus) dicht zu machen. Ursprünglich hatte der Konzern aus Mountain View Google+ 2011 an den Start gebracht, um Facebook Konkurrenz zu machen. Dies war nie gelungen. Zu Nutzerzahlen hatte sich der weltgrößte Suchmaschinenanbieter stets bedeckt gehalten.

Alphabet zufolge gibt es keine Hinweise darauf, dass den externen Entwicklern die Sicherheitslücke aufgefallen ist. Die Panne sei im Rahmen einer Überprüfung der gesamten Datenschutzaktivitäten im März - und damit zu dem Zeitpunkt, als der Datenmissbrauch bei Facebook bekannt wurde - entdeckt und geschlossen worden.

Laut "Wall Street Journal" habe Google habe zwar keine Hinweise auf einen Datenmissbrauch, aber auch nicht genug Informationen, um ihn vollständig auszuschließen, zitiert das Blatt aus internen Unterlagen des Konzerns. Der Konzern könne deshalb keine genaueren Angaben machen, weil Nutzungslogs nur zwei Wochen lang gespeichert würden.

Grundsätzlich hätte die Möglichkeit bestanden, Informationen wie Namen, Email-Adresse, Geschlecht oder Alter abzugreifen. Bis zu 438 Apps hätten auf die Schnittstelle mit der Datenlücke zugreifen können, hieß es.

Google hielt Panne geheim aus Angst vor Facebook-Vergleich

Dem Bericht zufolge entschied sich Google, die Panne nicht früher öffentlich zu machen, weil der Konzern Vergleiche mit dem Datenskandal bei Facebook fürchtete. Denn zur Zeit der Entdeckung des Lecks kochte die Affäre um den Missbrauch von Facebook-Daten durch das britische Unternehmen Cambridge Analytica hoch. Google wollte dazu keine Stellung nehmen.

Mitarbeiter der Rechts- und Politikabteilungen von Google aber hätten dem Bericht zufolge explizit davor gewarnt, dass eine Veröffentlichung die Regulierungsbehörden hätte auf den Plan rufen können und Google wahrscheinlich wie Facebook ins Blickfeld der Öffentlichkeit geraten wäre oder Vorstandschef Sundar Pichai vor dem amerikanischen Kongress aussagen müsse. Auch sei Pichai sei über den Plan, die Angelegenheit nicht publik zu machen, informiert worden, berichtet das WSJ weiter.

Sicherheitsexperten kritisierten die Entscheidung des Konzerns: "Nutzer haben das Recht, informiert zu werden, wenn ihre Daten gefährdet hätten sein können", sagte der Chef der Anwaltskanzlei Friedman CyZen, Jacob Lehmann. Dies sei eine direkte Folge der Untersuchung bei Facebook.

Der Skandal beim weltgrößten Internetnetzwerk hat weltweit zu Forderungen nach mehr Datenschutz geführt. Hintergrund ist der mutmaßliche Missbrauch von persönlichen Informationen von bis zu 87 Millionen Facebook-Nutzern durch die britische Firma Cambridge Analytica, um US-Präsident Donald Trump im Wahlkampf 2016 zu unterstützen. In diesem Zusammenhang ermitteln unter anderem die US-Verbraucherschutzbehörde FTC und die Generalstaatsanwälte von 37 Bundesstaaten.

Dem "Wall Street Journal" zufolge konnten bei Google+ externe Entwickler zwischen 2015 und März 2018 auf die Daten zugreifen. Dann sei der Software-Fehler behoben worden. Darüber sei auch Google-Chef Sundar Pichai informiert worden. Spätestens Ende August 2019 wird Google+ nicht mehr für Verbraucher verfügbar sein, sondern kann nur noch für interne Zwecke von Unternehmen genutzt werden.

rei/Reuters/dpa

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