04.01.2019 
Steueroase Bermudas

Google verschiebt 20 Milliarden - Fiskus schaut in die Röhre

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Steuersparkünstler Google
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Steuersparkünstler Google

Bevor sich Ende 2020 das irische Steuerschlupfloch endgültig schließt, schleust Google über die Insel und eine niederländische Briefkastenfirma noch verstärkt Milliarden auf die Bermudas in die Karibik. 20 Milliarden Euro waren es im Jahr 2017 - und das ganz legal.

Google nutzt weiter massiv Steuerschlupflöcher in Europa, um seine Gewinne vor dem Fiskus zu schützen. Über eine niederländische Briefkastenfirma hat der Internetkonzern im Jahr 2017 so umgerechnet rund 20 Milliarden Euro aus Europa herausgeschleust - und damit vier Milliarden Euro mehr als 2016.

Der Mutterkonzern Alphabet transferierte diese Summe über die Niederlande erneut auf die Bermudas, berichtet der englischsprachige Dienst der Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf bei der niederländischen Handelskammer eingereichte Dokumente. Auf den Bermudas fällt für Unternehmen keine Einkommensteuer an. Der Konzern wiederholte in einer Mitteilung erneut, er halte sich in allen Ländern, in denen es tätig sei, an die Steuergesetze.

Der steuersparende Geldtransfer ist Experten unter dem Namen "Double Irish, Dutch Sandwich" bekannt. Dabei führt die irische Google-Tochter Ireland Limited im nicht US-amerikanischen Ausland erwirtschaftete Erlöse über eine niederländische Briefkastenfirma an die Google Ireland Holding ab. Diese ist zwar als Unternehmen in Irland registriert, hat ihren Steuersitz aber auf den Bermudas in der Karibik. Dort fallen keine Steuern an. Der Umweg über die Niederlande ist insofern steuerrechtlich wichtig, weil der Konzern sonst Quellensteuer in Irland abführen müsste.

Google-Mutter erreicht so Steuersätze von kaum mehr als 5 Prozent

Seit gut einem Jahrzehnt läuft das bereits so und hat der Google-Mutter Alphabet zuletzt effektive Steuerraten von kaum mehr als 5 auf Gewinne außerhalb der USA beschert, was lediglich einem Viertel der durchschnittlichen Steuersätze von Googles Auslandsmärten entspricht.

Google darf dieses scharf kritisierte Geldversteckspiel noch bis zum Jahr 2020 weitertreiben und damit weiter eigentlich steuerpflichtige Erlöse den Steuerbehörden in Europa und Asien entziehen. Auf Druck der USA und der Europäischen Union hatte Irland klein beigegeben und zugesagt, diese Vereinbarung mit Google 2020 zu beenden.


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Google steht mit dieser Praxis keineswegs allein. Schon länger stehen internationale Konzerne in der Kritik, durch das Verschieben von Gewinnen in Länder mit niedrigeren Steuersätzen die Zahlung von Abgaben in Europa zu vermeiden. So sollen auch Apple, Facebook und Amazon über Tochtergesellschaften in Irland Teile ihrer Erlöse vor dem Fiskus schützen.

Finanzdistrikt Dublin in Irland: Eines der Hauptziele der globalen Steuervermeidungsindustrie
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Finanzdistrikt Dublin in Irland: Eines der Hauptziele der globalen Steuervermeidungsindustrie

manager-magazin.de berichtete unlängst über eine gemeinsame Studie von Wissenschaftlern der Uni Kopenhagen und der US-Elite-Hochschule Berkeley. Dort bezifferten die Experten die von internationalen Konzernen in Steueroasen gebunkerten Gelder auf 550 Milliarden Dollar. Besonders aktiv seien dabei US-Konzerne. Zu den größten Verlierern wiederum zählt die Studie den deutschen Staat: 55 Milliarden Dollar der verschobenen Profite stammten aus Deutschland, und der hiesige Fiskus verlor 28 Prozent seiner potenziellen Einnahmen aus Unternehmenssteuern - ein höherer Anteil als in jedem anderen Land.

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