18.07.2018  Vergleichsportal Finanzcheck

Warum Scout24 für ein defizitäres Start-up 285 Millionen Euro ausgibt

Von
Scout24-CEO Greg Ellis
Scout 24
Scout24-CEO Greg Ellis

Das Vergleichsportal Finanzcheck.de gibt es seit acht Jahren - Gewinn erzielt das Hamburger Unternehmen allerdings nicht. Trotzdem nimmt der MDax-Konzern Scout24 285 Millionen Euro in die Hand, um das Portal zu kaufen.

Durch die Übernahme will das Unternehmen sein Wachstum ankurbeln, besonders bei den Dienstleistungen, die Scout24 seinen Kunden anbietet. Als vielversprechend sieht das Unternehmen Ratenkredite für den Autokauf, denn Scout24 betreibt die Kleinanzeigenbörse AutoScout24, wo nun verstärkt Finanzierungsmöglichkeiten für die inserierten Gebrauchtwagen angeboten werden sollen.

In den nächsten fünf Jahren soll das Geschäft mit solchen Dienstleistungen auf 250 Millionen Euro wachsen, sagte Scout24-Finanzvorstand Christian Gisy am Mittwoch. Dieses Ziel sei "aggressiv, aber erreichbar". Bisher setzt Scout24 in dem Segment rund 87 Millionen Euro um.

Der Millionen-Kaufpreis für Finanzcheck zeigt, wie viel Hoffnung der neue Eigner in das Start-up als Treiber setzt. Ein Sprecher erklärt, die hohe Summe zahle Scout24, da man in ein stark wachsendes Marktfeld investiere. Außerdem würden die Finanzcheck-Angebote die von Scout24 maßgeblich ergänzen.

Scout24 reduziert Rendite-Prognose leicht

Dafür nimmt Scout24 in Kauf, dass es seine operative Umsatzrendite für dieses Geschäftsjahr nach unten korrigieren muss. Statt bis zu 57,5 Prozent soll sie noch zwischen 54 und 56 Prozent betragen. Aber: Finanzcheck soll noch in diesem Jahr 12 Millionen Euro zum Umsatz beitragen. Scout24 geht davon aus, dass die Transaktion bis zum Ende des dritten Quartals vollzogen ist.

Wie hoch die Verluste von Finanzcheck sind, legen die beiden Parteien nicht offen. Auf Nachfrage heißt es von Scout24 nur, für das Jahr 2018 rechne man bei Finanzcheck mit einer Ebitda-Marge von minus 13 Prozent. Der letzte öffentliche Jahresabschluss im Bundesanzeiger von 2015 zeigt, dass Finanzcheck einen Fehlbetrag von knapp 7,2 Millionen Euro schrieb.

Das Unternehmen ist allerdings seitdem stark gewachsen. Nach eigenen Angaben steigerte es seinen Umsatz in den vergangenen drei Jahren um je 35 Prozent. 2017 lag er bei 35 Millionen Euro.

Wann Finanzcheck profitabel werden soll, verrät Scout24 auf Nachfrage nicht. Mittelfristig rechne man mit schwarzen Zahlen, so ein Sprecher. Aktuell sei aber das Wachstum wichtig. "Es ist nicht die Priorität, Finanzcheck auf der Kostenseite anzufassen". 265 Mitarbeiter sind bei dem Start-up beschäftigt.

Der Wettbewerb ist kostspielig

Auf dem Markt ist die Konkurrenz für die Hamburger stark: durch die Anbieter Smava und Check24. Der Berliner Kreditvermittler Smava ist deutlich stärker kapitalisiert als Finanzcheck. Während Smava seit der Gründung 2007 von Investoren insgesamt rund 115 Millionen Euro erhalten hat, wurde Finanzcheck mit 46 Millionen Euro finanziert.

Check24, das nicht nur Kreditangebote vergleicht, sondern auch Konditionen für Stromlieferanten, Handyanbieter oder Versicherungen, ist breiter aufgestellt. Der Konzern erwirtschaftete laut Bundesanzeiger im Geschäftsjahr 2015/2016 einen Konzernjahresüberschuss von knapp 70 Millionen Euro.

Für Finanzcheck ist es also sinnvoll, sich von einem finanzkräftigen Konzern kaufen zu lassen. Wie hart der Wettbewerb unter den Kreditvermittlern ist, demonstrierten in diesem Jahr mehrere Zinsschlachten. Smava und Check24 warben mit einem Zinssatz von minus 5 Prozent auf ihre Kredite. Finanzcheck setzte dann einen drauf - und verschenkte 1000 Kredite über 1000 Euro gleich ganz. Eine Marketingstrategie, für die das Unternehmen tiefe Taschen braucht.

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