15.11.2018 
Missmanagement beim sozialen Netzwerk

Im Sumpf von Facebook - so haben Zuckerberg und Sandberg versagt

Von
Haben versucht, bei Facebook Skandale zu vertuschen: Mark Zuckerberg und Sheryl Sandberg
AFP
Haben versucht, bei Facebook Skandale zu vertuschen: Mark Zuckerberg und Sheryl Sandberg

Das größte soziale Netzwerk der Welt steckt in einer schweren Krise. Immer tiefer versinkt Facebook in Skandalen um Datenmissbrauch, russische Wahlbeeinflussung und Fehlinformationen.

An dem Sumpf sind die beiden Facebook-Chefs Mark Zuckerberg (34) und Sheryl Sandberg (49) schuld. Lange ignorierten sie Warnzeichen und delegierten die Verantwortung für Sicherheit und politische Fragen an unterstellte Manager. Wie tiefgreifend das Missmanagement bei dem 400-Milliarden-Konzern ist, legt jetzt die "New York Times" offen, die mit mehr als 50 Beteiligten gesprochen hat.

Ein Überblick:

Russische Beeinflussung der US-Wahl

Sicherheitsexperten des Netzwerks fanden schon im Frühjahr 2016 Anzeichen dafür, dass russische Hacker auf Facebook-Accounts zugreifen wollten, die mit der Präsidentschaftswahl zu tun hatten. Dennoch sagte Zuckerberg ein halbes Jahr später öffentlich, es sei "eine ziemlich verrückte Idee", dass Facebook den Wahlausgang beeinflusst habe. Intern sammelte sein Unternehmen etwa ein Jahr lang Beweise für russische Manipulation in dem Netzwerk, bevor es die Vorfälle überhaupt bekannt gab und dem eigenen Leitungsgremium, dem Verwaltungsrat, mitteilte. Im Nachgang musste Facebook seine öffentlichen Statements anpassen und schließlich zugeben, dass rund 126 Millionen Menschen manipulierte Posts auf Facebook gesehen hatten.

Facebook attackierte Kritiker

Dass Facebook diese Vorfälle erst spät eingestand, zog viel Missbilligung nach sich. Der Konzern versuchte laut "NYT", das mit einer Lobbykampagne zu parieren. Sheryl Sandberg selbst soll sie verantwortet haben. Die Strategie: Gegner schlechtreden. Unter anderem soll Facebook eine PR-Firma damit beauftragt haben, negative Berichte über konkurrierende Tech-Firmen wie Google und Apple anzustoßen. Auch auf Kritiker wie den Milliardär George Soros habe Facebook abgezielt. Soros unterstützte mit seinem Vermögen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton; er spendet regelmäßig für liberale Zwecke.

Causa Cambridge Analytica

Der Skandal um einen schweren Datenmissbrauch bei Facebook wurde im März 2018 aufgedeckt. Das Unternehmen Cambridge Analytica hatte persönliche Details von Millionen Facebook-Nutzern abgegriffen und Wählerprofile erstellt, die es unter anderem an Trumps Wahlkampfteam verkaufte. Zunächst tauchte das Facebook-Management ab. Intern soll man gehofft haben, den Schaden eindämmen zu können. Mit einer Kommunikationsaktion namens "We Get It" ("Wir haben es verstanden") soll das Unternehmen seinen Mitarbeitern versichert haben, sich zu bessern. Ein neuer Lobbychef sollte außerdem den Ärger im Kongress eindämmen. Doch der Ruf von Facebook wurde nachhaltig geschädigt: Der Konzern wusste seit 2015 von dem Missbrauch der Daten, hatte aber weder die Betroffenen informiert noch sichergestellt, dass die unrechtmäßig erlangten Daten gelöscht wurden.

Geld hilft

In Washington hat Facebook noch Unterstützer. Senator Chuck Schumer beispielsweise erhielt Spenden von zahlreichen Mitarbeitern des Unternehmens. Als Mark Zuckerberg wegen des Cambridge-Analytica-Skandals vor dem US-Kongress aussagen musste, soll Schumer zuvor dem misstrauischen Senator Mark Warner gesagt haben, er solle sich bei der Befragung zurückhalten und nach Wegen suchen, mit Facebook zusammenzuarbeiten.

Ein beleidigter Zuckerberg

Apple-Chef Tim Cook gab in einem Interview Facebook den Seitenhieb mit, sein Unternehmen würde nicht mit persönlichen Daten handeln. Daraufhin soll Mark Zuckerberg seinem Management befohlen haben, nur noch Android-Smartphones zu nutzen.

Angst vor Trump-Unterstützern

US-Präsident Donald Trump rief vor seiner Wahl im Jahr 2015 in einem Facebook-Post dazu auf, die Einwanderung von Muslimen zu verbieten. In der Öffentlichkeit sorgte das für eine Welle an Kritik und den Appell an Facebook, den rassistischen Post zu löschen. Mark Zuckerberg selbst soll laut "NYT" intern gefragt haben, ob das möglich sei oder ob man Trumps Account sperren könne. Letztlich soll sich Zuckerberg aber auf andere Manager verlassen haben, die rieten, ein solcher Schritt könne Probleme mit Republikanern bringen.

Mitarbeiter verlieren das Vertrauen

Das Missmanagement hat Folgen: Seit Mitte Juli hat Facebook mehr als 30 Prozent seines Unternehmenswerts an der Börse verloren. Und auch die Mitarbeiter setzen immer weniger Vertrauen in ihren Arbeitgeber. Während vor einem Jahr noch mehr als 80 Prozent der Angestellten an eine positive Entwicklung des Unternehmens geglaubt haben, waren es vor Kurzem nur noch knapp 50 Prozent, zitiert das "Wall Street Journal" aus einer internen Umfrage. Ebenfalls noch knapp die Hälfte stimmte der Aussage zu, Facebook verbessere die Welt - ein Minus von 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die Diskussion über die Regulierung der großen Tech-Konzerne wurde durch den "New York Times"-Bericht ebenfalls wieder angefacht. Der Kongressabgeordnete und künftige Vorsitzende des Kartellkomitees David Cicilline sagte am Mittwoch, man könne Facebook nicht trauen und es sei an der Zeit, etwas dagegen zu unternehmen. Bei Twitter schrieb er: "Dieser überwältigende Report macht klar, dass Facebooks Führungskräfte immer ihre massiven Gewinne über das Interesse ihrer Kunden stellen werden."

Mehr zum Thema