11.01.2019 
Immer mehr Dämpfer für die jungen Start-ups

Warum der E-Scooter-Hype schon wieder abflaut

Von
Ein gutgelaunter Scooter-Fahrer
Tier Mobility
Ein gutgelaunter Scooter-Fahrer

Kaum gegründet und schon Milliarden wert - die US-amerikanischen Start-ups Lime und Bird machten zuletzt mit ihrem rasanten Aufstieg Schlagzeilen. Die Firmen verleihen per App elektrische Tretroller, mit denen die Nutzer kürzere Strecken zurücklegen können. Als Investoren sahen, wie gut Kunden das Angebot 2017 in Kalifornien annahmen, sprangen sie schnell auf den Trend auf und gaben Hunderte Millionen Dollar für die Expansion.

Längst ist der Hype nach Europa geschwappt: Nicht nur die US-Schwergewichte, sondern auch zwei deutsche Start-ups verteilen in verschiedenen Städten wie Paris, Wien und Madrid ihre Scooter auf den Straßen. Immer häufiger aber gibt es Dämpfer für die jungen Firmen.

Bird hat nun laut einem Bericht des US-Mediums "Axios" zwar erneut 300 Millionen Dollar von der Private-Equity-Gesellschaft Fidelity erhalten. Allerdings blieb die Unternehmensbewertung dabei konstant bei zwei Milliarden Dollar, wie schon vergangenen Sommer. Ursprünglich soll das Unternehmen von Travis VanderZanden (39) eine deutlich höhere Bewertung angestrebt haben, berichtete die US-amerikanische Zeitung "Wall Street Journal".

Die Lage scheint beim schärfsten Wettbewerber Lime ähnlich zu sein: Zunächst soll das E-Scooter-Unternehmen bei der nächsten Finanzierungsrunde eine Bewertung von rund vier Milliarden US-Dollar angestrebt haben. Jetzt hofft man laut "WSJ" noch auf einen Wert von zwei bis drei Milliarden. Die letzte öffentliche Zahl lag hier bei rund 1,1 Milliarden US-Dollar.

Viele Schadensfälle

Die Abkühlung trifft dabei nicht nur die Scooter-Start-ups, sondern auch Leihradanbieter. Um das chinesische Unternehmen Ofo steht es bereits länger schlecht. Nun soll die Firma ihre internationalen Märkte geschlossen haben. Während Ofo von "normalen Anpassungen des Geschäfts" spricht, wird laut "Financial Times" die Insolvenz vorbereitet.

Die Anbieter haben in beiden Branchen ähnliche Probleme. So ist die Quote der beschädigten Räder oder E-Scooter höher als angenommen. Bei Ofo sanken die Nutzerzahlen laut "Handelsblatt" auch deswegen im Herbst stark. Die elektrischen Tretroller würden in manchen Märkten sogar nur rund zwei Monate lang halten, sagten Investoren dem "Wall Street Journal". Häufig seien da noch nicht einmal die Anschaffungskosten für das Gefährt erwirtschaftet worden. Vandalismus von wütenden Anwohnern oder Passanten, denen die Zweiräder im Weg stehen, ist ebenfalls ein Problem.

Video: So funktionieren die Milliarden-Roller aus dem Silicon Valley

Michael Keating, Gründer eines kleinen Scooter-Start-ups in San Francisco, berichtet von bitteren Zahlen: Nur zwei Wochen nach dem Launch waren 200 seiner 650 Tretroller gestohlen oder so beschädigt worden, dass man sie nicht mehr reparieren lassen konnte. "Wir dachten, wenn die Diebstahl- und die Vandalismusraten wirklich hoch wären, wären die anderen Firmen ja nicht im Geschäft", so Keating zum "WSJ". Die Punkte habe er aber unterschätzt.

Unterwerfen müssen sich die Unternehmen nicht nur der Straße, sondern auch der lokalen Politik. Einige Städte haben die Roller bereits verboten oder ihre Zahl limitiert. (In Deutschland sollen die Scooter erst noch erlaubt werden.) Die Leihräder dürfen in manchen Städten nicht mehr überall abgestellt werden. Eine weitere Entwicklung, die Investorenlust bremsen dürfte.

Mehr zum Thema