23.10.2018 
Expansion der elektrischen Tretroller

Millionen für Berliner Scooter-Start-up: Investoren befeuern Wettkampf

Von
Diese E-Scooter des Berliner Start-ups Tier Mobility soll es bald in vielen europäischen Städten geben
Tier Mobility
Diese E-Scooter des Berliner Start-ups Tier Mobility soll es bald in vielen europäischen Städten geben

In San Francisco verstopfen sie bereits die Gehwege, in Deutschland dürfen sie noch gar nicht fahren: elektrische Tretroller. Dass die deutschen Behörden lange brauchen, um die Rechtslage zu klären, hemmt den Hype allerdings nicht. Investoren pumpen 25 Millionen Euro in das Berliner Start-up Tier Mobility. Über die App des Unternehmens können E-Scooter bisher in Wien gemietet werden.

Investiert haben die Wagniskapitalgeber Northzone aus Schweden, Speedinvest aus Österreich und Point Nine aus Berlin. Die Hoffnung der Geldgeber: Sie wollen beim ersten europäischen Scooter-Erfolg dabei sein. Denn in den USA haben die beiden Vorreiter-Unternehmen Lime und Bird bereits je mehr als 400 Millionen Dollar Risikokapital erhalten. Auch Unternehmen wie Uber setzen auf das neue Fortbewegungsmittel.

Der deutsche Klon Tier Mobility steht da noch am Anfang: Vergangene Woche ist die Firma mit ihren Scootern in ihrer ersten Stadt Wien gestartet. Dort können Nutzer die Roller jetzt über die App des Start-ups finden und ausleihen. Das kostet einen Euro Miete pro Fahrt plus 15 Cent pro Minute.

Die Gefährte können überall im Stadtgebiet abgestellt werden. Was bequem für die Nutzer ist, hat in den USA schon für Ärger gesorgt. Die dortigen Anbieter Bird und Lime hatten die Straßen mit ihren E-Scootern geflutet und Bürgersteige blockiert.

#Repost @earshot with @get_repost ¿¿¿ @limebike you got a problem at Minnesota and 19th. #limebike #limescooter #limenation

Ein Beitrag geteilt von Scooters Behaving Badly (@scootersbehavingbadly) am

Tier Mobility will mit dem Kapital nun weitere europäische Städte erschließen. Schlechte Presse wie bei den US-Vorbildern gilt es dabei zu vermeiden. Schlagzeilen machte unter anderem Bird-CEO Travis VanderZanden: Er brachte seine Roller in Santa Monica auf die Straße und bot dem Bürgermeister danach via LinkedIn-Nachricht an, er könne ihm seine "aufregende neue Mobilitätsstrategie des Unternehmens" für die Stadt vorstellen. Seither hat die kalifornische Gemeinde die Zahl der E-Scooter limitiert und eine offizielle Pilotphase eingeführt.

Tier-CEO Lawrence Leuschner hingegen betont, sein Start-up arbeite eng mit den Stadtverwaltungen zusammen. Er gründete sein Start-up vor wenigen Monaten gemeinsam mit Julian Blessin und Matthias Laug. Leuschner war zuletzt Chef der Recommerce-Plattform Rebuy, die er 2004 mitgründete und die 2017 rund 110 Millionen Euro umsetzte.


Lesen Sie auch: Was hinter dem irren Wettrüsten mit den Leihfahrrädern steckt


Sein Team steht mit einem weiteren Berliner Scooter-Start-up im Wettbewerb, hinter dem ebenfalls ein erfahrener Start-up-Kopf steht. Lukasz Gadowski soll derzeit für seinen Anbieter GoFlash Mitarbeiter in der Schweiz suchen, berichtet das Branchenmedium "Gründerszene". Der Unternehmer baute die Essensbestellplattform Delivery Hero mit auf und verdiente mit dem Börsengang des Unternehmens Millionen. Für GoFlash soll er jetzt mitten im Fundraising sein.

Doch auch die deutlich besser finanzierten US-Start-ups drängen nach Europa. Bird ist in Rekordtempo nach Wien, Brüssel, Paris sowie Tel Aviv expandiert. Die kleinen E-Roller von Lime gibt es in Paris, Madrid und Zürich. Den Berliner Unternehmen sind sie also deutlich voraus. Doch sollten die E-Tretroller - ähnlich wie die Leihräder - zu viele werden, könnten sich europäische Metropolen so wie die Stadt San Francisco für ein Vergabeverfahren entscheiden. Für die deutschen Firmen könnte das eine Chance sein.

Mehr zum Thema