02.08.2018 
Halbjahreszahlen des Tech-Unternehmens

Analysten-Liebling Delivery Hero verschiebt Gewinnaussichten

Von
Niklas Östberg (38), Chef von Delivery Hero
Jussi Ratilainen / Delivery Hero
Niklas Östberg (38), Chef von Delivery Hero

Mit einer Überraschung wartete der Chef des Tech-Unternehmens Delivery Hero am Donnerstagmorgen auf: Niklas Östberg (38) will investieren - und vertagt die Aussicht auf Profite. Somit lässt der Vermittler von Essenslieferdiensten seine Anleger weiter auf Gewinne warten. Ursprünglich geplant war, das Jahr 2019 ohne operative Verluste abzuschließen. Stattdessen fließen 80 Millionen Euro, um das Marketing, die Technologie und das Produkt zu verbessern.

"Wir wären weiter auf Kurs, die gesetzten Ebitda-Ziele zu erreichen", sagte Östberg bei der Präsentation der Halbjahreszahlen 2018, "blendet man die zusätzlichen Investitionen aus". Er sehe aber eine Chance in dem stark wachsenden Markt und wolle mit den Investments daran teilhaben.

Tatsächlich wächst das 2011 gegründete Delivery Hero, das in Deutschland unter den Marken Lieferheld, Pizza.de und Foodora bekannt ist, nach wie vor stark. Der Umsatz stieg im ersten Halbjahr 2018 bereinigt um Währungseffekte um 60 Prozent auf 357 Millionen Euro, in Berichtswährung liegt das Wachstum bei 48 Prozent. Die bereinigte Ebitda-Marge lag bei minus 15 Prozent.

Das Berliner Unternehmen, das in mehr als 40 Ländern aktiv ist, wuchs vor allem im Nahen Osten deutlich. Der Umsatz in der Region verdoppelte sich im Vergleich zum Vorjahr auf 123 Millionen Euro, womit der Markt zum größten des Unternehmens geworden ist. In Europa, wo Delivery Hero am längsten aktiv ist, setzte das Unternehmen im ersten Halbjahr 116 Millionen Euro um.

Immense Verluste in der Vergangenheit

Gleichzeitig muss das Tech-Unternehmen seine Verluste kontrollieren. CEO Östberg verkündet, die Geschäfte in Italien, Australien, Frankreich und den Niederlanden würden zeitnah verkauft oder eingestellt werden. "Wir wollen uns auf Märkte konzentrieren, wo wir stark sind. Wo wir deinvestieren, sind wir sehr klein."

Der Lieferheld-Betreiber schreibt seit Jahren hohe Verluste und hatte vor dem Börsengang im Juni 2017 massiv zugekauft und expandiert. Im Jahr 2016 betrug der Verlust 202 Millionen Euro, vergangenes Geschäftsjahr 94,2 Millionen.

Die aktuellen Zahlen haben die Anleger zunächst abgeschreckt: Nach Handelsstart sackte die Aktie an der Börse um 6 Prozent auf 45,90 Euro ab.

Der Kurs beim Börsengang vergangenen Sommer lag am oberen Ende der Preisspanne bei 25,50 Euro. Die Bewertung des Unternehmens am Markt betrug damals etwa 4,4 Milliarden Euro. Heute sind es rund 8,5 Milliarden.

Analysten haben seit dem IPO an die positive Entwicklung der Aktie geglaubt. Marcus Diebel von der US-Bank JPMorgan beispielsweise zählte Delivery Hero bis zuletzt zu seinen Top-Werten im Tech-Bereich und erhöhte das Kursziel auf 59 Euro. Diese Einschätzung bestätigte er auch nach der Bekanntgabe der Zahlen.

Anleger reagieren positiver auf den kleineren Wettbewerber

Für seinen deutschen Heimatmarkt legte Delivery Hero keine gesonderten Zahlen vor. Hier konkurriert das Unternehmen mit dem niederländischen Anbieter Takeaway.com, der in Deutschland die Marke Lieferando betreibt. Östberg sieht sich aber als "signifikant" umsatzstärker als dieser Wettbewerber.

Takeaway präsentierte am gestrigen Mittwoch seine Geschäftszahlen für die ersten sechs Monate 2018. Das Unternehmen steigerte den Umsatz um 42 Prozent auf 110 Millionen Euro. Der Verlust lag gleichzeitig bei 14,7 Millionen Euro. Während Takeaway in den Niederlanden Profite erwirtschaftet, sind die Verluste in Deutschland hoch. Insgesamt steckte das Unternehmen stolze 65,5 Millionen Euro ins Marketing, um bekannter zu werden.

Takeaway investiert außerdem in Zukäufe und verkündete vor wenigen Tagen die Übernahme des israelischen Essensliefer-Unternehmens 10bis - für 135 Millionen Euro.

Trotz der hohen Ausgaben ist der Aktienkurs seit der Bekanntgabe der Zahlen deutlich im Plus und notiert nun bei 59,60 Euro. Die Marktkapitalisierung liegt nun bei 2,5 Milliarden Euro. Die Takeaway-Anleger glauben also an die Strategie - im Gegensatz zu den Aktionären des Wettbewerbers.

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