13.06.2018 
Gigantischer Bunker in Chinas tiefster Provinz

Das größte Datenlager der Welt

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Bunker im Berg: Tencent baut sein gigantisches Datenzentrum einige Hundert Kilometer südlich von Chongqing (Luftbild vom Mai 2018)
imago/Xinhua
Bunker im Berg: Tencent baut sein gigantisches Datenzentrum einige Hundert Kilometer südlich von Chongqing (Luftbild vom Mai 2018)

Es ist ein gigantischer Bunker, der da in einen Berg hineingebaut wurde. Fünf große Metalltore, alle 15 Meter hoch, versperren den Weg in das Innere. Modernste Techniken schützen den geheimnisvollen Ort. Sicherheitsroboter patrouillieren vor den Eingängen. Über ihnen kreisen Drohnen. Wachpersonal hat nur per Gesichtserkennung Zutritt.

Werden dort Atomwaffen gebunkert? Oder ist es der sichere Rückzugsort für Chinas Führung im Kriegsfalle? Nein, in den Tunnels hinter den roten Toren stehen mindestens 300.000 Server. Hier lagern Trillionen und noch mehr Daten. Hier hat seit kurzem Chinas größter Internetkonzern Tencent sein gigantisches Datenzentrum.

Tencent betreibt Wechat, die chinesische Whatsapp-Version. Eine Milliarde User hat Wechat bereits. Und diese produzieren jeden Tag jede Menge Daten, den Rohstoff des digitalen Zeitalters. Viele dieser User glauben naiv, ihre Daten lagern irgendwo in irgendwelchen Clouds zwischen Himmel und Erde. Nein, sie sind auf Servern, die in Bunkern lagern. Und von diesen Bunker stehen nirgendwo auf dieser Welt mehr als in der chinesischen Provinz Guizhou im Südwesten des Landes.

Eine Autostunde von deren Hauptstadt Guiyang liegt Guian New District, ein hügeliges Gelände, knapp 1800 Quadratkilometer groß. Es wird gebuddelt und gebaggert. Überall Baukräne. Hier entsteht das größte Datenlager der Welt. Tencents Big Data Center ist nur der Anfang. Telekomausrüster und Smartphoneproduzent Huawei baut gerade einen gigantischen Bunker mit Platz für 600.000 Server. Auch Alibaba und die drei großen Telekomgesellschaften des Landes China Mobile, China Telecom und China Unicom haben oder planen ihre Datenzentren dort. Ebenso Apple, das sein erstes chinesisches Datencenter in Guizhou bauen wird.

Warum aber in Guizhou? Warum gerade in dieser Gegend, einer der ärmsten Provinzen des Landes?

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Server fressen viel Strom und mögen es nicht so heiß. Das bergige Guizhou hat angenehme Temperaturen und aufgrund der Nähe zu Wasserkraftwerken günstigen Strom. Zudem ist die Gegend erdbebensicher.

Und Guizhou hatte einen cleveren Parteisekretär namens Chen Gang, der schon 2014 das Potential der Provinz erkannte und anfing, sie zu einem Zentrum für Big Data auszubauen. Gangs erfolgreiche Arbeit fiel auch Partei- und Staatschef Xi Jinping auf.

Er lobte ihn weg und machte ihn zum Parteichef seines Lieblingsprojekts Xiong'an New Area, einer neuen Megastadt südlich von Beijing.

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