18.06.2018  Nach Skandal um Cambridge Analytica

Der Datenkrake hat zwei neue Köpfe

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Alexander Nix: Der frühere Cambridge-Analytica-Chef war zwischenzeitlich mit einer Neugründung involviert, an der auch andere CA-Manager beteiligt sind
AFP
Alexander Nix: Der frühere Cambridge-Analytica-Chef war zwischenzeitlich mit einer Neugründung involviert, an der auch andere CA-Manager beteiligt sind

Cambridge Analytica - die Firma, die einen Tech-Riesen wie Facebook weltweit in Ungnade bringen konnte und auf dem Gipfel der Krise zweitweise 40 Milliarden Dollar Börsenwert auslöschte, ist mittlerweile Geschichte. Das Unternehmen, das mit fragwürdigen Techniken potenzielles Wählerverhalten analysiert und dazu die Daten von Millionen Facebook-Nutzern verwendete, stellte bereits vor Wochen den Betrieb ein. Offenbar weil im Zuge des Datenskandals die Anwaltskosten in enorme Höhen schnellten und Kunden reihenweise absprangen, meldete Cambridge Analytica Insolvenz an.

Das Geschäft mit der Politikberatung scheint jedoch weiter zu florieren. Denn aus der alten Belegschaft sind gleich zwei Unternehmen entstanden, die das lukrative Geschäft mit der Datenauswertung weiter betreiben.

Ex-Cambridge Analytica und nun Emerdata-Datenexperte, Alexander Tayler
DPA
Ex-Cambridge Analytica und nun Emerdata-Datenexperte, Alexander Tayler

Eine davon ist die bereits im August 2017 gegründete Firma Emerdata. Mit dem früheren Cambridge Analytica-Chef Alexander Nix und dem früheren Chief Data Officer des Unternehmens, Alexander Bruce Tayler, sind oder waren dort mindestens gleich zwei ehemalige Cambridge-Analytica-Manager tätig.

Und es deutet vieles darauf hin, dass bei Emerdata ähnliche Verbindungen greifen, wie dies schon bei Cambridge-Analytica der Fall war. So haben bei Emerdata mitRebekah und Jennifer Mercer zwei Töchter des Trump-Unterstützers und US-Milliardärs Robert Mercer Direktoren-Posten inne. Auch bei Cambridge-Analytica soll Geld des Breitbart-Förderers geflossem sein.

Zwecke des Unternehmens, bei dem Nix seinen Direktorenposten mittlerweile wieder aufgab, istlaut offiziellen Papieren: Datenverarbeitung. -Hosting und damit verbundene Aktivitäten. Daten dazu, wer hinter dem Unternehmen Emerdata steht, von dem die Journalistin Wendy Siegelman bereits vor Wochen als erstes berichtete, hat das Unternehmen noch nicht vorgelegt.

Auch im US-Wahlkampf wird wieder mitgemischt

Emerdata ist nicht das einzige Unternehmen, das aus den Resten von Cambridge Analytica entstanden ist. MitData Propria hat sich nun noch ein zweites Unternehmen aufgemacht, die von Cambridge Analytica begonnene Arbeit fortzuführen:

Am Steuer hier: Matt Oczkowski, Cambridge Analyticas früherer Produktchef, der auch für den umstrittenen Politikberater auch die Arbeit an der Trump-Kampagne in den USA verantwortet hatte. Mit im Boot, laut der Nachrichtenagentur AP : Der frühere "Chief Data Scientist" von Cambridge Analytica und offenbar zwei weitere, nicht genannte früherer Mitarbeiter des Cambridge Analytica-Teams.

Und ganz offensichtlich sind Oczkowski und sein Team schon wieder gut im Geschäft. So berichtet AP unter Berufung auf zwei Reporter als Zeugen, dass Oczkowski gegenüber Dritten angebeben habe, zusammen mit Trumps Kampagnenmanager Brad Parscale "die Arbeit des Präsidenten für 2020" zu machen.

Eine Behauptung die der Data-Propria-Chefspäter dementierte. Er räumte aber ein, von den Republikanern für die 2018 anstehenden sogenannten "Midterms" angeworben zu sein. Wahlen bei denen über alle Sitze im Repräsentantenhaus, ein Drittel der Senaatsasitze und diverse Gouverneursposten entschieden wird.

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