19.09.2018 
Der Fall des todkranken Dewayne Johnson

Bayer geht gegen teures Glypohosat-Urteil vor

Sterbenskrank: Dewayne Johnson. Ihm will die Bayer-Tochter Monsanto nicht den gerichtlich festgestellten Schadensersatz von 289 Millionen Dollar zahlen.
AFP
Sterbenskrank: Dewayne Johnson. Ihm will die Bayer-Tochter Monsanto nicht den gerichtlich festgestellten Schadensersatz von 289 Millionen Dollar zahlen.

289 Millionen Dollar - so viel Schadensersatz gesteht ein US-Gericht dem US-Amerikaner Dewayne Johnson zu, der durch den Unkrautvernichter Glyphosat Krebs erlitten haben soll. Die Bayer-Tochter Monsanto erhebt Einspruch gegen das Urteil. Wegen Glyphosat sieht sich Bayer mit weiteren 8700 Klagen in den USA konfrontiert.

Die Bayer-Tochter Monsanto hat wie angekündigt Widerspruch gegen das Glyphosat-Urteil eines kalifornischen Geschworenengerichts eingereicht. Dieses hatte den US-Saatgutriesen Mitte August zu einer Schadensersatzzahlung von 289 Millionen Dollar an einen Mann verurteilt, der seine Krebserkrankung auf den von Monsanto entwickelten Unkrautvernichter Glyphosat zurückführte.

Das Unternehmen erklärte in den Anträgen, die am San Francisco Superior Court eingereicht wurden, dass die Entscheidung der Jury nicht ausreichend durch das Beweismaterial bestätigt wurde, das der Kläger vor Gericht vorlegte. Monsanto beantragte, das Urteil aufzuheben oder die Entschädigungssumme zu kürzen oder ein neues Verfahren zu gewähren. Eine Anhörung zu den Anträgen findet am 10. Oktober statt.

Das Urteil hatte an der Börse einen wahren Schock ausgelöst. In der Spitze sackte die Bayer-Aktie um 11 Prozent ab und vernichtete damit mehrere Milliarden an Börsenwert. Wenn man so will, beziffern diese Kursverluste das Rechtsrisiko, das Investoren sehen für Bayer in dieser und Zigtausenden weiteren Klagen, die noch anhängig sind.

Schon von daher muss Bayer gegen das Urteil vorgehen und den gegebenenfalls zu zahlendenden Schadensersatz drastisch nach unten verhandeln. In Zusammenhang mit Produkthaftungsverfahren gelingt das beim Gang durch die Instanzen erfahrungsgemäß auch.


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Es handelte sich um den ersten Prozess in den USA, der sich mit der Frage befasste, ob Glyphosat Krebs verursachen kann. Er war wegen der Schwere der Erkrankung des Klägers vorgezogen worden. Der ehemals als Platzwart an einer kalifornischen Schule tätige Dewayne Johnson hatte über Jahre glyphosathaltige Produkte von Monsanto eingesetzt und dem Unternehmen vorgeworfen, dadurch an Lymphdrüsenkrebs erkrankt zu sein. Wegen Glyphosat sieht sich Bayer mit rund 8700 Klagen in den USA konfrontiert.

Bayer hatte erklärt, die Entscheidung der Jury stehe im Widerspruch zu bestehenden wissenschaftlichen Erkenntnissen, jahrzehntelangen praktischen Erfahrungen und den Einschätzungen von Regulierungsbehörden weltweit. Alle diese Erkenntnisse, Erfahrungen und Einschätzungen bestätigen, dass Glyphosat sicher sei und keine Krebserkrankung verursache.

Die US-Umweltschutzbehörde schloss 2017 eine jahrzehntelange Bewertung der Risiken von Glyphosat ab und erklärte, dass die Chemikalie für Menschen wahrscheinlich nicht krebserregend sei. Dagegen hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO die Chemikalie 2015 als "wahrscheinlich krebserregend für den Menschen" eingestuft.

rei mit Reuters

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