05.09.2018 
JD.com-Chef Richard Liu wird der Vergewaltigung verdächtigt

Schwere Vorwürfe gegen Amazon-Konkurrent in USA

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Vorwürfe gegen den Amazon-Konkurrenten: JD.com-Chef Richard Liu wurde kurzzeitig in den USA festgenommen, dann aber wieder freigelassen. Inzwischen ist er nach China zurückgekehrt
AP
Vorwürfe gegen den Amazon-Konkurrenten: JD.com-Chef Richard Liu wurde kurzzeitig in den USA festgenommen, dann aber wieder freigelassen. Inzwischen ist er nach China zurückgekehrt

Im Fall des in den USA vorübergehend festgenommenen Unternehmers Richard Liu sind neue Details bekannt geworden. Laut einem Polizeibericht ist der Verdacht gegen den Chef und Gründer des chinesischen Onlinehändlers JD.com schwerer als bislang bekannt: Liu wurde am Wochenende wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung vorübergehend verhaftet, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Zunächst war von sexueller Belästigung die Rede.

Angaben zum potenziellen Opfer werden in dem Bericht nicht gemacht. Der 45-jährige Liu wurde aber mittlerweile ohne Auflagen freigelassen und ist nach China zurückgereist.

Die laufenden Ermittlungen werden laut Polizei frühestens am Freitag beendet. Erst danach werde entschieden, ob es zu einer Anklage komme.

Lius Anwalt hält eine Anklage jedoch für ausgeschlossen. "Ich bin sehr zuversichtlich", sagte Joseph Friedberg der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Sie haben erkannt, dass die ganze Sache lächerlich war und ihn freigelassen. Sie haben nicht nach seinem Pass gefragt, sie haben keine Kaution verlangt."

Das Unternehmen JD.com, das mit den Online-Handelsriesen Amazon und Alibaba konkurriert, teilte mit, dass die Anschuldigungen gegen Liu unbegründet seien. Der Milliardär nimmt derzeit an einem Doktorandenprogramm für Führungskräfte der Universität von Minnesota teil. Er war gegen Mitternacht am Freitag festgenommen worden und konnte die Polizeistation am Samstagnachmittag wieder verlassen. Liu selbst hat sich bisher nicht geäußert, so Reuters.

Liu wieder auf freiem Fuß - Aktie bricht dennoch ein

Das 1998 von Liu gegründete Unternehmen ist wie viele andere chinesische Technologiefirmen an der Wall Street notiert. Dort löste die Nachricht von der Festnahme große Verunsicherung aus. Am Dienstag gab die Aktie zwischenzeitlich um sieben Prozent auf ein 18-Monats-Tief nach. Im abgelaufenen Quartal hatte JD.com wegen stärkerer Investitionen mit einem deutlich höheren Verlust als erwartet überrascht.

Das Unternehmen setzt auf die aggressive Re-Investmentstrategie, um schnell zu wachsen. Erst kürzlich hatte Liu angekündigt, JD.com nach Europa und Deutschland bringen zu wollen. Noch in diesem Jahr will er hier ein Büro eröffnen, ein deutsches Logistikzentrum erwäge man ebenfalls. Liu zeigte sich außerdem offen für Übernahmen. "Wenn wir eine gute Chance sehen, dann nutzen wir sie", sagte er dem Handelsblatt. Ob diese Pläne weiter so verfolgt werden, beantwortete JD.com auf Anfrage allerdings nicht.

Das Unternehmen schrieb 2017 einen Umsatz von rund 56 Milliarden Dollar. Unter anderem sind der Handelsriese Walmart, Google und Tencent an JD.com beteiligt. Das Vermögen des Gründers, dessen chinesischer Name Liu Qiangdong lautet, umfasst laut Forbes 9,4 Milliarden US-Dollar. Seine 24-jährige Frau Zhang Zetian machte Liu ebenfalls zur Milliardärin, indem er ihr Kapital zur Verfügung stellte, das sie in die Modeindustrie investierte. In China ist Zetian berühmter Social-Media-Star und hat 1,5 Millionen Follower bei dem chinesischen Twitter-Pendant Weibo. Das Paar heiratete im Jahr 2015.

Mit Material von Reuters

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