27.07.2018  Ein Fintech wertvoller als die Commerzbank

Von 7 auf 17 Milliarden - Adyen-Chef erklärt den Börsen-Hype

Von
Adyen-Gründer Pieter van der Does
Adyen-Gründer Pieter van der Does

Pieter van der Does (49) hat ein Unternehmen gegründet, das niemand kennt und trotzdem Milliarden wert ist: Adyen. Die niederländische Firma wickelt Zahlungen online und in Geschäften für Kunden wie Netflix, Uber und Spotify ab. Investiert haben in der Vergangenheit Technologie-Bosse wie Mark Zuckerberg oder Jack Dorsey. Adyen legte im Juni ein fulminantes Börsendebut in Amsterdam hin: Der Wert am Markt hat sich seither von 7,1 auf 17,5 Milliarden Euro gesteigert. Damit hat Adyen 2018 den größten Tech-IPO in Europa hingelegt - und ist bereits wertvoller als die Commerzbank.

Pieter van der Does

manager-magazin.de: Der Wert der Adyen-Aktie hat sich schon an ihrem ersten Handelstag mehr als verdoppelt. Seitdem geht es weiter nach oben, zuletzt notierte das Papier nahe der 600 Euro, ein Zuwachs von 145 Prozent seit dem Start. Nicht schlecht für ein Tech-Start-up aus Europa. Unternehmen wie Home24 oder Rocket Internet hatten es da schwerer.

Pieter van der Does: Dieses schnelle Wachstum habe ich auch nicht erwartet. Ich finde andere Dinge bereichernd. Wenn ich zum Beispiel durch New York laufe und es dort Straßen gibt, wo ich das Gefühl habe, dass jedes Geschäft mit Adyen läuft. Dann denke ich daran, dass wir vor elf Jahren mit Ikea-Tischen, vier Gründern und drei Mitarbeitern angefangen haben. Und das ist die wirklich wilde Reise, nicht die finanzielle Seite davon.

mm.de: Ganz so unerheblich dürfte die Kursentwicklung nicht gewesen sein. Warum haben Sie sich dazu entschlossen, jetzt an die Börse zu gehen?

van der Does: Einige der frühen Investoren wünschten sich einen Weg zur Liquidität, schließlich sind sie seit einem Jahrzehnt dabei. Auf dem Papier sind sie wohlhabend, aber kaufen können sie davon nichts. Und für uns war es ein gutes Zeitfenster, vorher hatten wir unsere Banklizenz erhalten.

mm.de: Die Kursentwicklung erinnert fast an die Tech-Blase zu Zeiten der New Economy.

van der Does: Ich habe Makroökonomie studiert und gelernt, dass der Markt immer recht hat. Wir haben unsere Zahlen präsentiert und damit eine Orientierung gegeben. Der Markt muss dann den Preis festlegen.

mm.de: Haben Sie sich verkalkuliert? War der Ausgabepreis zu niedrig?

van der Does: Wir haben alle einen Teil verkauft, um den IPO möglich zu machen... Vielleicht war es der Preis, um die Firma an die Börse zu bringen. Aber die Anteilseigner sind von der Entwicklung begeistert, ich habe nicht einen einzigen negativen Kommentar zu hören bekommen. Dafür viele Flaschen Wein von einem unserer Investoren.

mm.de: Adyen ist seit der Gründung stark gewachsen, Sie haben aber nie zugekauft.

van der Does: Wir sind da bisher sehr streng gewesen und verfolgen keine Akquisitionsstrategie, erst recht nicht für das Kernprodukt. Man kann das natürlich nie völlig ausschließen, aber wir werden kein Unternehmen kaufen, das uns ähnlich ist.

mm.de: Warum nicht?

van der Does: Es passiert oft, dass Unternehmen mehrere Technologien integrieren und dann viele Ressourcen darauf verwenden müssen, um das Konstrukt zu erhalten. Sie bezahlen teure Entwickler, die die Fehler ausmerzen. Das wollten wir nicht. Wir wollten mit Adyen das Unternehmen aufbauen, mit dem es am schwierigsten ist, zu konkurrieren. Wichtig war da vor allem die Qualität unseres Produkts. Wir setzen nicht auf die technischen Systeme anderer und haben selbst eine einheitliche Bezahlplattform gebaut. Deswegen ist es günstig, sie zu betreiben.

mm.de: Dabei hat Adyen auch starke Konkurrenz, beispielsweise durch Paypal. Nun sollen noch der chinesische Internetkonzern Alibaba und Amazon ihre eigenen Paymentsysteme bauen. Macht Ihnen das Sorgen?

van der Does: Die Bezahl-Infrastruktur in China ist ziemlich einzigartig. Ich denke nicht, dass das weltweit ausgerollt werden kann. Wir wiederum zielen nicht auf den inländischen chinesischen Markt ab und betreuen nur chinesische Unternehmen, die international verkaufen wollen und andersherum.

1 / 2

Mehr zum Thema